Sport
24.7.2023

Para-Multisport-EM in Rotterdam

Erstmals werden Multisport-Europameisterschaften im Para-Sport ausgetragen. Die Wettkämpfe der European Para Championships finden in insgesamt zehn Sportarten vom 6. bis 20. August 2023 in Rotterdam statt.

28 Schweizer Athletinnen und Athleten aus sechs sitzend ausgeübten Sportarten nehmen an den ersten European Para Championships 2023 in Rotterdam teil. Zusammen mit 13 stehenden Athletinnen und Athleten bilden sie eine 41-köpfige Delegation (exklusive Staff). Eine Schweizer Beteilung gibt es in den Sportarten Badminton, Basketball, Bogenschiessen, Cycling, Judo, Sportschiessen und Tennis.

Die Paralympischen Spiele Paris 2024 sind für viele der teilnehmenden Athlet*innen in Rotterdam das grosse Ziel. In Rotterdam können in den meisten Sportarten denn auch Quotenplätze gesichert werden. Darüber hinaus ist aber noch etwas anderes wichtig, wie Roger Getzmann, Leiter Rollstuhlsport und Freizeit der Schweizer Paraplegiker-Vereinigung betont: «Ein Multisport-Anlass ist eine gute Möglichkeit, den Para-Sport noch mehr in den Fokus zu rücken und ihm die Aufmerksamkeit zu geben, die er verdient.» Der Anlass soll künftig alle vier Jahre in einer europäischen Stadt ausgetragen werden und jeweils Europameisterschaften in rund zehn Sportarten vereinen.

Ilaria Renggli und Cynthia Mathez © Swiss Paralympic 

Medaillenhoffnungen im Rollstuhl-Badminton
Der Multisport-Event ist zu Gast im Veranstaltungszentrum Rotterdam Ahoy mit sechs Hallen. Dort werden die Badmintonspielerinnen Cynthia Mathez (Boningen) und Ilaria Renggli (Hottwil) um Medaillen kämpfen. Die beiden sind aktuell die besten Europäerinnen ihrer Kategorie und haben bei der WM in Tokio 2022 Silber und Bronze geholt. Weiter werden auch Dominik Bützberger (Thun), Marc Elmer (Näfels), Luca Olgiati (Hottwil), Lars Porrenga (Oberlunkhofen) und Maurin Stübi (Emmenbrücke) antreten.

Sandra Stöckli © Sam Buchli 

Grosses Para-Cycling-Team – viele Medaillenchancen
Insgesamt 19 Schweizer Para-Cyclerinnen und -Cycler nehmen in Rotterdam teil. Ein grosser Teil des Teams reist von der WM in Glasgow direkt an die EM in Rotterdam, mit der sie die Saison auf der Strasse abschliessen. Im Handbike zählen insbesondere Sandra Stöckli (Jona), Heinz Frei (Oberbipp), Fabian Recher (Spiez) und Benjamin Früh (Grüt) zu den Medaillenanwärtern. Aber auch von Nick Fankhauser (Wangen an der Aare), Tobias Lötscher (Nottwil), Felix Frohofer (Russikon), Yves Schmied (Berlens) und Cornel Villinger (Muri) sind gute Leistungen zu erwarten.

 

 Bei den stehenden Athletinnen und Athleten zählt insbesondere Flurina Rigling (Hedingen) nach den Podestplätzen an den Weltmeisterschaften 2022 auf der Bahn und der Strasse zu den Favoriten. Am Start werden auch Christian Ackermann (Lenzburg), Fabio Bernasconi (Einsiedeln), Roger Bolliger (Bottenwil), Laurent Garnier (Grandson), Franziska Matile-Dörig (Winterthur), Celine van Till (Grand-Lancy), Fabiano Wey (Schenkon) und Timothy Zemp (Zürich) sein.

Rollstuhlbasketball auf hohem Niveau
Mit Vorfreude blickt das Basketball-Team auf die European Para Championships. Das Team ist seit 2013 in der höchsten europäischen Spielklasse präsent, spielt aber in einem hart umkämpften Turnier, wo es um jeden Zentimeter geht hinsichtlich der Paralympics-Qualifikation. Titelverteidiger sind die Gastgeber aus Holland, was sicher für grossen Zuschaueraufmarsch sorgen wird im Gruppenspiel gegen die Oranje. Gemäss Spielertrainer Nicolas Hausammann strebt das Team die Qualifikation für den Viertelfinal an. Folgende Spieler wurden von Rollstuhlsport Schweiz selektioniert: Maurice Amacher (Nottwil), Janic Binda (Zürich), Pascal Bolliger (Cham), Nicola Damiano (Vacallo), Nicolas Hausammann (Schönenwerd), Philipp Häfeli (Klingnau), Patrick Rüegg (Luzern), Husein Vardo (Wagen) und Jan Vogelsang (Neuenhof).

Nalani Buob

Nalani Buob direkt qualifiziert 
Aufgrund ihrer guten Platzierung in der Weltrangliste (Rang 19) hat sich die Zugerin Nalani Buob (Baar) als einzige Schweizer Tennisspielerin direkt für die EM qualifiziert. Die Rollstuhlathletin aus Baar war bereits bei den Paralympics Tokyo 2020 am Start und hat es ins Achtelfinal geschafft. Von ihr ist eine gute Platzierung, wenn nicht sogar ein Podestplatz zu erwarten. Angela Grosswiler (Walchwil), die vor kurzem die Spitzensport-RS der Schweizer Armee absolvierte, erfüllte die Selektionskriterien von Rollstuhlsport Schweiz. Deshalb wurde für sie eine Wild Card beantragt, die vom internationalen Verband bestätigt wurde. So können die beiden im Damen-Doppel antreten.

Neue Schweizer Judoka
Neu für die Schweiz startet seit dem vergangenen Jahr die deutsch-schweizerische Judoka Carmen Brussig (Netstal). Die Blindensportlerin erreichte im vergangenen Jahr an der EM in Cagliari den 3. Platz.
 

Nicole Häusler © Swiss Paralympic 

Zwei Sportschützen und ein Bogenschütze
Im Sportschiessen treten Nicole Häusler (Pfaffnau) und Stefan Amacker (Trüllikon) mit dem Luftgewehr und der Pistole an. Der Zürcher Pistolenschütze konnte im vergangenen Jahr erste WM-Erfahrungen sammeln, während sich die routinierte Schützin aus Pfaffnau mit Rang 4 beim Weltcup in Châteauroux bereits 2022 einen Quotenplatz für die Paralympics in Paris gesichert hat. Ein Podestplatz in Rotterdam liegt daher im Bereich des Möglichen. Der Bogenschütze Pascal Héritier (Vétroz), der zum zweiten Mal bei einer EM dabei ist, kann sich diesen Sommer noch für die Paralympics qualifizieren.
 

Das Wettkampfprogramm sowie weitere Informationen finden Sie unter diesem Link.